Die Spieler sollten dankbarer sein

(Basti)

Jamal Adams fordert einen Trade. Okay. Diese Nachricht habe ich vor kurzer Zeit als Breaking News wie viele andere auch auf dem Smartphone entdeckt.
Ich persönlich kann damit leben, denn ich stehe häufig auf der Seite der Spieler in Businessfragen. Wenn dies sein Wunsch ist… Aber dann kam das Verhalten von Adams nach dem Trade Request. Er verhält sich in den sozialen Medien meiner Meinung nach vollkommen unangebracht. Er postet Dinge, die wie ein Abgesang auf seine Zeit bei den Jets aussehen und zuletzt mündete es sogar darin, dass er Coach Belichick Tribut für die Verpflichtung von Cam Newton zollte. Das ist ein Tiefschlag für Jets Fans. Und dem muss er sich bewusst sein (vor einem Jahr tacklete er das Patriots-Maskottchen und ließ sich dafür feiern).
Aber es soll nicht nur um Jamal gehen. Solche – auf die Fans bezogenen – rücksichtslosen Aktionen gibt es in der NFL zuhauf. Und das stört mich massiv.
Fans sind das Herz und die Seele des Sports. Ohne Fans wären die Spieler keine Prominenten. Sie sind Vorbilder für Kinder und Erwachsene. Fans sammeln Trading Cards und Kinder stehen mit leuchtenden Augen am Spielerausgang. Wenn diese dann ein Autogramm erhalten oder sogar ein Foto mit ihren Stars ergattern, sind sie überglücklich und rahmen sich diese Bilder ein, posten sie in ihren Social Media Kanälen und erzählen es ihren Freunden. Ein einmaliges Erlebnis.
Für viele dieser Fans gibt es diese eine Franchise. Dieses eine Team. Vom Kindergarten bis ins hohe Alter. Und diese Fans verbinden den Spieler mit ihrer Franchise. Nun lesen sie plötzlich, dass der Spieler, den sie verehren, ihre Franchise öffentlich schlecht macht, als Verlierer darstellt und weg will. Ein absolut unwürdiger Zug. Solche Dinge tun vielen Fans weh. Man kann dieses Business intern diskutieren und mit Klasse abtreten oder wechseln. Aber es wird die Öffentlichkeit einbezogen und somit werden die Befindlichkeiten der Fans dem Business geopfert, um Druck zu erzeugen.
Was dabei vergessen wird: Ohne die Fans wäre dieses Business längst nicht das, was es ist. Fans machen die Spieler erst zu Prominenten und zu reichen Leuten. Ohne Fans wären die Spieler auch nur einfache Sportler mit großem Talent, die nach dem Spiel mit der stinkenden Sporttasche auf dem Fahrrad nach Hause fahren und nicht mit dem Lamborghini.
Das Salary Cap, was die Gehälter der Spieler berechnet, muss in Vierjahreszeiträumen zu mindestens 95 % an die Spieler ausgezahlt werden. Das ist unheimlich viel Geld. Und ohne Fans würde dieses Geld einfach nicht verfügbar sein. Allein von den Medieneinnahmen der gesamten NFL werden 55 % an die Spieler ausgeschüttet. Und wie kommt man an so viel Geld von den Medien? Durch Einschaltquoten, Klicks, Werbung etc. Und wer schaltet ein, klickt und schaut Werbung? Die Fans!
Ein zweiter Bestandteil sind die NFL Ventures (Gamepass, Thursday Night Football bei Amazon, NFL.com etc.), von denen 45 % an die Spieler gehen. Auch hier sind die Abonnenten… die Fans!
Und ein dritter Punkt sind die Local Revenues, die durch Ticketverkäufe und andere individuelle, lokale Einnahmen der einzelnen Teams berechnen. Davon bekommen die Spieler 40 %.
Ihr habt euren finanziellen Reichtum und euren Ruhm zu einem ganz großen Teil den Fans zu verdanken, liebe NFL Spieler! Das gibt den Fans natürlich nicht das Recht, euch wie Eigentum zu behandeln, euch öffentlich auf einem persönlichen Level zu beleidigen oder euch in eurem Privatleben zu behelligen. Natürlich dürft ihr Fotos von euch ablehnen und eine eigene Meinung vertreten.
Aber bitte handelt mit etwas mehr Rücksicht. Wenn ihr wechseln wollt oder mit der Franchise unzufrieden seid, in der ihr spielt, dann bleibt damit hinter den Kulissen. Es ist eine Businessfrage. Und dass es überhaupt so ein lukratives Business ist liegt an den Fans, die für eure Einnahmen ihr hart verdientes Geld ausgeben.

Spieler sind auch "nur" Menschen

(Felix)

Dieser Tage kommt man, vor allem als Jets-Fan, wohl nicht drum herum sich mit dem Verhalten Jamal Adams‘ gegenüber der Franchise und der Fanbase zu beschäftigen. Das Verhalten von Adams sehe ich dabei auch sehr kritisch, grade in Anbetracht der Corona-Situation in den USA und vor allem auch im Großraum New York, und den – eigentlich fest geregelten – Vertragsmodalitäten. Allerdings neigt man als gemeiner Fan auch dazu, sich in die Situationen herein zu steigern und Handlungen zu viel Bedeutung zuzumessen. Um noch ein Mal beim Beispiel Jamal zu bleiben, kommt mir direkt sein Verhalten gegenüber den Patriots in den Sinn, sowie die Reaktion vieler Fans darauf. Nachdem dieser beim Pro Bowl 2018 das Maskottchen der Patriots tacklete, und dem Herrn unter der Maske die Nase dabei versehentlich brach, wurde er von vielen für diese – aus meiner Sicht etwas überflüssige – Aktion von der Fanbase gefeiert. Adams entschuldigte sich nach der Aktion zwar und sagte, dass es für ihn und alle Beteiligten nur um den Spaß während des Pro Bowls ginge und es nicht in seiner Absicht lag jemanden zu verletzen. Jedoch erhielt diese Aussage, grade in Bezug auf das „wir wollen alle nur Spaß hier haben“, keine große Aufmerksamkeit.
In die andere Richtung gehen nun die Reaktionen auf Jamals Beglückwünschungen in Richtung Cam Newton und Bill Belichick zum Deal zwischen den Patriots und Cam. Für mich sind diese aus verschiedenen Gründen überzogen, gar Fehl am Platze. So war Adams nicht der einzige Spieler der NFL, der seine Glückwünsche aussprach. Cam ist außerdem einer der beliebtesten Spieler innerhalb der gesamten NFL. Darüber hinaus sollte nicht vergessen werden, dass viele Spieler der NFL franchiseübergreifende Freundschaften pflegen, und Spieler und Coaches sich als Angestellte der NFL bzw. deren Franchises auf „derselben Seite stehend“ fühlen. Viele Fans werden nun sagen „aber das sind die Patriots, das dunkle Imperium etc.“. Für mich ist grad das eine positive Sache.
Immer wieder wird an die Vorbildrolle von Spielern und Prominenten appelliert. Vor allem im Sport kommt da dem Begriff „Fair Play“ eine besondere Rolle zu. Ja, der Sport lebt von einer (gesunden) Rivalität. Genauso gehört aber, meiner Meinung nach, auch „Fair Play“ als Vorbildfunktion zu einer gesunden Rivalität. Bei allem divenhaften Verhalten, das Jamal an den Tag legte in der letzten Zeit, beurteile ich dies positiv. Ein, oder eher DAS rivalisierende Team und deren Verantwortlichen zu einer fairen und vermutlich guten Verpflichtung zu beglückwünschen ist für mich eine vorbildliche Geste. Einige werden sicherlich aufführen, dass dies eventuell nicht in der Intention Adams‘ lag. Dem führe ich entgegen, dass erstens niemand in Adams Kopf schauen, und zweitens nur ein Beleg dafür ist, dass zu viel (negatives) in solche Situationen hineininterpretiert wird. Weiterhin zeigt es, wie schwierig es Spielern auch oft gemacht wird, ihre Vorbildrolle – der sie sicherlich nicht immer gerecht werden – zu erfüllen. Dass eine Aktion wie das Tacklen eines gegnerischen Maskottchens, die, überspitzt formuliert, eher die gegenseitige Abneigung fördert, derart gefeiert wird, wirft meiner Meinung nach auch ein fragwürdiges Bild auf die Fans. Die Aktion selbst ist dabei nicht mal das Problem, Football ist ein Kontaktsport, und als spaßige Show-Einlage ist diese auch ganz witzig. Dass daraus, vor allem auch wegen der Verletzung, allerdings so ein positiver Hype wurde kann ich nicht nachvollziehen. Es zeigt allerdings auch die Ambivalenz im Verhalten vieler Fans. Auf der einen Seite fordern sie, dass Spieler sich ihnen gegenüber respektvoll und vorbildlich verhalten, auf der anderen Seite wird teilweise ein aggressives und bisweilen respektloses Verhalten gegenüber „verfeindeten“ Franchises gefordert. Hier werden keine Gräben geschlossen, sondern eher geöffnet, etwas, dass auch vor dem Hintergrund der momentanen Menschenrechtsbewegung in den Staaten hinterfragt werden sollte.
Apropos Menschenrechte. Das Verhalten von Fans, auch geschürt durch die Medien, gegenüber Spielern ist oftmals auch mehr als fragwürdig und bisweilen menschenunwürdig. Vor allem auf den Social-Media-Kanälen werden Spieler häufig aufs Übelste angegangen, besonders nach schwächeren Leistungen. Um ein Beispiel zu nennen werfe ich den Namen Nathan Peterman in den Raum, der nach seinen Interceptions regelrecht lächerlich gemacht wurde und der Anschein erweckt wurde, dass er quasi vogelfrei wäre. Ich will hier gar nicht den Moral-Apostel spielen, etwas Harm und Spott gehören zum Sport dazu, genau wie Trash-Talk. Jedoch werden, grade in der heutigen Zeit, die Grenzen zu häufig überschritten. Teilweise reicht eine schlechte oder unterdurchschnittliche Partie eines Spielers, und er wird zum Ziel eines Shitstorms. Gleichzeitig wird aber von den Spielern erwartet, dass diese immer gut gelaunt sind, sich immer Zeit für die Fans nehmen und loyal gegenüber der Franchise und ihrer Fanbase sind. Häufig vergessen dabei wird, dass auch Profisportler, so gut sie auch verdienen, nur Menschen sind und für ihr – auch meiner Meinung nach häufig zu hohes – Gehalt einige Entbehrlichkeiten und Gesundheitsrisiken auf sich nehmen. Spieler stehen permanent in der Öffentlichkeit, haben wenig bis keine Privatsphäre, werden überall erkannt und können theoretisch täglich ihren Wohnort wechseln müssen. Darüber hinaus sind sie, wie bereits erwähnt, trotz ihres Status normale Menschen, die ebenfalls alles andere als perfekt sind und auch mal einen schlechten Tag haben können; was ihnen selten zugestanden wird. Natürlich lässt sich nicht jedes Verhalten damit rechtfertigen. Es gibt genügend Spieler die alles andere als Vorbilder in ihrem Verhalten sind – beispielsweise solche die das Schlagen von Kindern als legitime Erziehungsmethode propagieren -, und dafür stärker bestraft werden sollten. Und auch mir als Fan gehen die Anfangs häufig erklärten Treuebekundungen der Spieler gegenüber Franchises auf die Nerven, bei denen eh jeder weiß, dass diese in der Regel nicht mehr Wert sind als das Papier, auf dem der Vertrag unterschrieben wurde. Dennoch scheinen diese Aussagen ein Teil des Spiels, bzw. des Business zu sein. Genauso unverständlich, zu Teilen fast heuchlerisch, ist andersherum allerdings auch der Sinneswandel, den Fans häufig in ihrer Meinung zu einem Spieler an den Tag legen. Spielt ein Spieler für ein „verhasstes“, gegnerisches Team, passiert es immer wieder, dass er beleidigt und angegangen wird, besonders wenn er gute Leistungen bringt. Wechselt derselbe Spieler aber zum eigenen Team, und bringt die gleiche Leistung, wird er hingegen verehrt. Hier würde ich mir auf beiden Seiten mehr „Ehrlichkeit“ und fairen Umgang miteinander wünschen, sowohl von Fans als auch von Spielern.
Zum Schluss möchte ich an beide Seiten appellieren. Liebe NFL-Spieler, macht euch klar, woher euer Status, und damit euer Geld kommt, und zeigt mehr Demut, grade gegenüber den häufig hart arbeitenden Fans, und geht bedachter mit euren Äußerungen und Treuebekenntnissen vor. Und an die Fans: Geht auch ihr in eurer Betrachtung fairer mit den Spielern um, bedenkt, dass diese auch nur Menschen sind. Aber vor allem, macht euch etwas mehr die Realität klar. Die der Profisport und grade die NFL ist ein (Unterhaltungs-)Business, in dem Milliarden von Dollar im Spiel sind und in dem es vor allem um eins geht: Erfolg; sowohl sportlich als auch wirtschaftlich. Das kann man gut finden oder nicht, es ist aber eine Tatsache. Und so ist es auch für den Großteil der Akteure ein Business. Pathos ist hier leider häufig fehl am Platz. Wenn ihr ernstgemeinte Aufopferung für einen Verein von Spielern sehen möchtet, bleiben heutzutage leider häufig nur die Amateurligen, in denen es um kein, oder wenig Geld geht. Das Mag dem Sportromantiker nicht gefallen, aber unsere Teams sind häufig nur die „Arbeitgeber“, und die Spieler als „Arbeitnehmer“ suchen für sich das beste Angebot aus, so wie ihr das auch macht. Denn sie sind auch nur eines, Menschen.

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