Eric Bieniemy

Offensive Coordinator, KC Chiefs

Die Head Coaching Suche der Jets ist in vollem Gange und auch wir wollen uns genauer mit den genannten Kandidaten beschäftigen. Der Name, der dabei wahrscheinlich seit Jahren am häufigsten genannt wird, ist Eric Bieniemy. Bereits als Adam Gase vor zwei Jahren ausgewählt wurde, wurde Bieniemy bereits in Florham Park vorstellig und hat seither knapp ein Dutzend Interviews angesammelt. Doch warum das große Interesse und wie kam Bieniemy überhaupt in seine Position? Hier eine kleine Nacherzählung seines bisherigen Werdegangs.

Geboren wurde Eric Bieniemy am 15. August 1969 in New Orleans. Bereits in der Highschool zeigte sich Bieniemys Leidenschaft für den Sport. Er war einer der besten Feldathleten seiner Schule und war natürlich auch Teil des Football Teams. Er spielte als Running Back und Returner und war als 2nd Team All-American einer der begehrtesten Highschool Senior Recruits. Er entschied sich 1987 schlussendlich für die University of Colorado at Boulder. Auch hier folgte eine überaus erfolgreiche Zeit, denn er sammelte in seinen vier Jahren insgesamt 42 Touchdowns und lief sowohl in 1988 als auch 1990 für mehr als 1200 Yards. So war er auch Teil des Colorado National Championship Teams 1990, bis heute die beste Saison der Schulgeschichte und die einzige Nationale Meisterschaft im Football. Er war ein maßgeblicher Grund mit seinen 1787 Scrimmage Yards und wurde mit dem dritten Platz im Heisman Trophy Voting gewürdigt.

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Zu erwähnen sind allerdings in seiner College Zeit auch 2 Vorfälle, wegen derer gegen ihn Suspendierungen ausgesprochen wurden. Zum einen war er Teil einer Barschlägerei, für die er sechs Monate vom Athletic Training ausgeschlossen wurde und zum zweiten verursachte er wohl eine Handgreiflichkeit mit einem Feuerwehrmitarbeiter, der sich um die brennende Garage seiner Mutter kümmerte. Hierfür bekam er eine acht monatige Suspendierung auf Bewährung.

Seine sportlichen Leistungen im College führten dann folgerichtig zur Auswahl im Draft von den San Diego Chargers in der zweiten Runde. Seine NFL Karriere konnte dann aber insgesamt nicht mit seinen vorherigen Errungenschaften mithalten, er war vorwiegend als Special Teamer, Returner und Rotational Back erfolgreich. Er hielt sich insgesamt 10 Jahre mit Stationen bei den Chargers, Bengals und Eagles, wo er von Andy Reid gecoached wurde. Insgesamt kam er auf 11 Touchdowns und 2800 Scrimmage Yards.

Auch während seiner NFL Zeit gab es wieder einen Vorfall, bei dem er auf einem Parkplatz in Denver zusammen mit einer Gruppe von anderen Männern einer Bar Mitarbeiterin zu nahekam und sie dabei wohl am Nacken gepackt hielt. Hierfür wurde er für ein Jahr vom College Campus, auf dem es geschah gebannt.

Nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn begab er sich zurück an seine Alma Mater um seinen schulischen Abschluss nachzuholen, welchen er dann 2001 errang. Direkt danach bekam er an eben dieser University of Colorado seinen ersten Job als Coach, er wurde der Running Backs Coach des Teams. In den beiden Saisons, die er diese Position innehielt, beendete das Team das Jahr jeweils mit einer Top 10 Rushings Offense nationwide.

Er wechselte für die nächsten drei Jahre an die UCLA, wo er seine Zeit mit dem Coaching von Maurice Jones-Drew verbrachte und ihm zu drei aufeinander folgenden All-American Ernennungen verhalf. Sein Coaching wird maßgeblich für die Entwicklung des späteren NFL Leading Rushers gewesen sein.

Mit diesen Erfolgen im Rücken bekam er 2006 die Chance zum Aufstieg in die NFL, wo er unter Head Coach Brad Childress den Posten des Running Back Coach der Minnesota Vikings erhielt. In dieser Zeit coachte er vor allem Chester Taylor und den jungen Adrian Peterseon, in jeder der fünf Saisons mit dem Team, hatten die Vikings am Ende einen 1000 Yard Rusher. Es zeichnete sich also langsam ab, dass dieser Mann etwas von seinem Handwerk mit Running Backs versteht.
 
Dies entging auch seiner ehemaligen Universität in Colorado nicht und so erhielt er dort die Chance, das erste Mal als Offensive Coordinator eine ganze Offense anzuführen und zu callen. Dort hatte er allerdings große Schwierigkeiten, in den 2 Jahren seiner Tätigkeit gewann das Team insgesamt nur 4 Spiele und gehörte zu den schwächsten Offenses des Landes. Zusammen mit Head Coach Jon Embree wurde er entlassen.
 
Doch zu seinem Glück ergab sich nicht weit entfernt eine neue Chance in Kansas City, wo zwei seiner ehemaligen Förderer, Andy Reid und Brad Childress, einen neuen Coaching Staff bei den Chiefs aufbauten. Man erinnerte sich an Bieniemys Qualitäten und er erhielt erneut die Stelle des Running Backs Coach. Was folgte war erneute eine Darstellung seiner Stärke, dem verbessern des Running Games seines Teams. Zwischen 2013 und 2016 erlebte Jamaal Charles die wohl erfolgreichste Zeit seiner Karriere und wenn er dann doch mal mit Verletzungen fehlte, erarbeitete Bieniemy sogar eine 1000 Yard Saison aus Spencer Ware. Die Chiefs gehörten jedes Jahr zu den Playoff Anwärtern und die Variabilität der Running Backs auch im Screen Game war ein wichtiger Grund dafür, dass die von Alex Smith geführte Offense produktiv blieb. Dennoch setzte es in den Playoffs in der Regel schnell das Aus. Unterdessen wurden mit Doug Pederson 2016 und Matt Nagy 2018 zwei Chiefs Coordinator woanders als Head Coach abgeworben und so rückte Bieniemy zu Beginn der Saison 2018 zum neuen Coordinator der Offense auf. Zeitgleich wurde auch Patrick Mahomes als neuer Starter auf Quarterback installiert und die Geschichte nahm ihren Lauf. Seither ist die Chiefs Offense drei Jahre in Folge in den Top 3 der NFL zu finden und führte das Team zum ersten Super Bowl Sieg der Franchise seit 1969. Als direkte Folge dieser Meilensteine, gilt Eric Bieniemy seit 2019 in jedem Hiring Cycle im Januar als einer der Top Kandidaten und sammelte vor diesem Jahr bereits 11 Interviews an. Ein Job als Head Coach ist bisher dabei nicht herausgekommen.
 
Daher stellt sich für mich nun die Frage, warum ist das so? Matt Nagy und Doug Pederson kamen aus der gleichen Position und hatten vergleichsweise weniger statistisch vorzuweisen und doch bekamen beiden schneller eine Chance. Nicht wenige Stimmen rund um die Liga weisen hier auf eine latente Diskriminierung dunkelhäutiger Coaches in der NFL hin. Das letztes Jahr ein doch sehr unbekannter Name in Joe Judge einen Head Coach Job vor dem Coordinator der Super Bowl Offense erhielt, sorgte im Grunde für die Änderung der Rooney Rule auf nun 2 verpflichtende Interviews mit Minority Kandidaten und die neue Draft Pick Regelung zur Entwicklung solcher Kandidaten. Hier nochmal zur Erinnerung : https://www.cbssports.com/nfl/news/nfl-proposal-would-reward-teams-with-multiple-draft-picks-for-developing-minority-coaches-and-general-managers/
 
Dies alleine kann es ja aber eigentlich nicht sein. Weitere Argumente gegen Bieniemy könnten die verschiedenen Vorfälle in seinen jüngeren Jahren sein oder er ist schlicht und einfach schlecht in Job Interviews, durchaus eine schwierige Situation zu meistern, das kann ja eigentlich jeder nachvollziehen. Dazu called er die Chiefs Offense nicht eigenständig, dies macht immer noch hauptsächlich Andy Reid. Dennoch ist aus dem Umfeld der Chiefs immer wieder zu hören, dass EB hier einen großen Anteil in der Vorbereitung für die Spiele hat und durchaus auch am Calling in assistierender Form beteiligt ist. Pederson war schließlich auch kein Play Caller und es hat die Eagles nicht aufgehalten. Vielleicht ist es auch einfach eine Kombination aus all diesen Gründen, die die Team Owner bisher von ihm abgehalten haben. Trotzdem fällt es mir schwer zu glauben, das Bieniemy so einen geringen Anteil am Erfolg haben soll, schließlich zeigen sich seine Qualitäten Jahr für Jahr zumindest im Running Game seiner jeweiligen Offense. Auch ein Kareem Hunt war schließlich nichts als ein Day 2 Pick, bevor er von Bieniemy zu einem sofortigen Rookie 1000 Yard Rusher entwickelt wurde.
 
Die Wahrheit wird wohl am Ende irgendwo in der Mitte liegen und man wird nicht erfahren, wie gut er als Head Coach ist, bis er endlich die Chance dazu erhält. Mein persönlicher Wunschkandidat ist er tatsächlich nicht, ich wäre aber auch nicht unglücklich, wenn er unser neuer Mann wird. Er gehörte zu den ersten Interview Anfragen von Joe Douglas und ich sehe ihn daher schon als realistisches Szenario und bin gespannt ob er es für uns wird. Zumindest die Pressekonferenz hätte man damit gewonnen und alles Weitere kann nur die Zeit zeigen.

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