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New Yorks beste Show zieht nach Seattle

Es ist aktuell sehr ruhig auf dem Broadway. Von schillernden Shows und staunenden Gesichtern über die besten Darstellungen der Welt ist dieser Tage wenig zu sehen. Dennoch gab es am Wochenende einen Auftritt im Big Apple, der mehr als bühnenreif war. Jamal Adams verlässt die Jets und zieht in Richtung Seattle. Der beste Spieler des Teams ist fort. Gang Green steht mal wieder vor einem Neuanfang – doch dieses Mal ist er zumindest ein wenig gewollt.

„Take Flight“ sagte die ehemalige #33, Jamal Adams, am Montag, als er gegen 7 Uhr morgens in den Flieger Richtung Seattle stieg – im Gepäck einen 4th Round Pick für die Seahawks. Der Mann, der ihm dieses Ticket ermöglichte, Joe Douglas, erhielt im Gegenzug zwei 1st Round Picks für die kommenden zwei Jahre (2021 und 2022), einen 3rd Round für 2020 und den Nachfolger auf der Strong Safety Position in Bradley McDougald.

Über die lange Geschichte, die in diesem Trade endete, haben wir in diversen Podcasts schon gesprochen. mehr dazu findet ihr in unserem Podcast-Archiv. Der Blick richtet sich aber nicht mehr nach hinten. Viel mehr stellen sich eine Menge Fragen.

War es richtig einen All-Pro zu traden? War der Trade gut für die Jets? Was macht Joe Douglas mit zwei 1st Round Picks?

Wie so oft lassen sich diese Fragen wohl erst beantworten, wenn die Picks in Spieler verwandelt wurden und diese zeigen können, was in ihnen steckt. Wer diesen Artikel in drei bis vier Jahren noch einmal liest wird also entweder lachen oder weinen.

Das Verhalten von Adams kann man in den letzten Wochen höchstens noch als lachhaft bezeichnen. Wer Owner, Head Coach und General Manager mit Aussagen dermaßen angeht, ist für eine Organisation kaum noch haltbar.  Doch wie Ian Rapoport erklärte, war dieser Trade kein Impuls, sondern das Ergebnis einer stetigen Entwicklung.

„Ein Deal, den Joe Douglas nicht ablehnen konnte“, so nennt es Rapoport. In der Tat war das Angebot aus Seattle zu verlockend.

In den nächsten Jahren gewinnen die Jets deutlich an Flexibilität dazu. Mit Picks in der ersten Runde im Draft 2021 und 2022 hat das Team die Möglichkeit, sich auf mehreren Positionen entscheidend zu verbessern. Die wichtigsten Baustellen Receiver, Pass Rush und O-Line können angegangen werden. Hinzu kommt ein weiterer Day-2-Pick in der dritten Runde im kommenden Draft – also die Chance auf einen weiteren Starter. Zusätzlich kann das Cap Space geschont werden, da alle drei Picks gemeinsam wohl nicht mehr kosten werden als die von Jamal Adams geforderten 15 Millionen + X Dollar pro Jahr. Natürlich müssen diese Picks auch sitzen und gerade in der ersten Runde darf man wohl Pro Bowl fähige Spieler erwarten. Doch der erste Draft von Joe Douglas darf hier ein wenig Hoffnung machen.

Der 6-Jahresplan des Joe D.

Im letzten Jahr unterschrieb Joe Douglas für 6 Seasons bei den Jets. In seiner ersten Offseason widmete er sich seinem Steckenpferd, der O-Line. Nun sichert er sich zwei Premium Draft Picks in den nächsten Jahren. Die Spieler hinter den Picks werden mit einer Vertragslaufzeit von vier bzw. fünf Jahren ausgestattet – also genau bis zum Ende des aktuellen Kontraktes von Joe Douglas. Gleichzeitig lässt sich viel Geld für einen Spieler einsparen, der „nur“ ein Safety ist. Ein Schelm, wer hier einen Zusammenhang erkennen möchte.

Die lachenden Dritten

Der beste Safety verlässt die Franchise, gleichzeitig freuen sich zwei weitere Spieler auf der Position über die Möglichkeit, durchstarten zu können. Markus Maye geht in das letzte Jahr seines Rookie Deals. Der starke Free Safety kann die Lücke nutzen und zum Leader der Defensive Backs werden. So bringt sich Maye in die mögliche Stellung, einen fetten Vertrag zu bekommen. Ob er diesen bekommen hätte, wenn Adams noch in New York wäre und man mehr als 20 Millionen Dollar in die Safety-Position investieren muss, darf bezweifelt werden.

Der Abgang von Jamal Adams ist zudem die Chance für Ashtyn Davis, sich für die Rolle an der Seite von Maye zu bewerben. Zu Beginn der kommenden Season wird er wohl Safety Nummer drei hinter McDougald und Maye sein. Doch wenn Davis eine starke Rookie Season abliefert, kann er McDougald eventuell verdrängen. Dieser spielt nämlich auch in einem letzten Vertragsjahr und kann somit der Bridgeplayer für Davis sein.

The new man in town

Neben den Draft Picks wird gern vergessen, dass im Adams-Trade gleich noch ein neuer Stellvertreter mit nach New York gewechselt ist. Bradley McDougald spielte die letzten drei Jahre als Strong Safety bei den Seahawks und bringt somit die nötige Erfahrung mit in das junge Jets Backfield. Der ehemalige undrafted Rookie Free Agent sammelte in den letzten zwei Jahren fünf Interceptions und belegte im Pro Football Focus Ranking ganz nebenbei Platz vier aller Safeties im Bereich Man-Coverage. Ihn als 1 zu 1-Ersatz für Adams zu sehen wird ihm zwar nicht gerecht, doch als solider Starter hat sich McDougald in den letzten Jahren verdient gemacht. Wer weiß, ob sich der 29 Jährige bei den Jets nicht auch noch eine Vertragsverlängerung erspielen wird.

Neben der Euphorie um die neuen Möglichkeiten der Jets darf man nicht vergessen, was für einen Spieler man abgegeben hat. Jamal Adams ist mehrfacher Pro Bowler und All-Pro. Er ist der wohl aktuell beste Safety der Liga und war der beste Spieler der Franchise. Ob als Safety, Linebacker oder Pass Rusher, egal in welchem Bereich Adams sich befand, erzielten die Positionsgruppen bessere Statistiken. Das Spielverständnis, die Athletik und Power sind nicht zu ersetzen.

In der kommenden Season darf man von den Jets wohl keine Wunder erwarten. Nach Adams Abgang sind die Playoffs nicht wahrscheinlicher geworden. Die Chance, akute und schon lang klaffende Löcher im Roster zu schließen, ist jedoch größer geworden. Ob dieser Trade gut war, wird man in frühestens zwei Jahren nach den beiden Drafts sagen können, wahrscheinlich sogar eher in drei bis vier Jahren. Bis dahin geht die Show in New York weiter. Der neue Jets Regisseur Joe Douglas scheint allerdings ein klares Drehbuch zu haben…

-Nils