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New York Jets

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Los Angeles Chargers
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Kings of Garbagetime

„Du bist immer dann am besten, wenn's dir eigentlich egal ist.“

Die Ärzte

Ein Zitat aus dem „Lied vom Scheitern“ der Ärzte passt tasächlich zu dem gestrigen Spiel bei den Los Angeles Chargers.

Zur Halbzeit war ich so schockiert, dass ich mit offenem Mund vor dem Fernseher saß, mir zwei Finger breit Whiskey mehr als gewohnt einkippte und mich auf das Pendant zum Spiel „Aushalten“ von Joko und Klaas einstellte.

Aber es kam anders und man hat heute trotz der Niederlage ein nicht ganz so niedergeschmettertes Gefühl. 

Die Spatzen pfiffen es bereits vor Kickoff von den Dächern, dass man den Pass kaum wird stoppen können, denn neben Brian Poole fiel auch Bless Austin aus – was die Jets mit fünf Cornerbacks zurückließ, die es kombiniert auf elf Saisonstarts in den Karrieren brachten. 

Zur Halbzeit hatte dann schon allein Keenan Allen zehn Receptions, während die Jets Wide Receiver in Kombination sensationelle NULL auf dem Board hatten.

…aber step by step…

Das Spiel fing mit einem Drive der Chargers an, der mit einem geblockten Punt der katastrophalen Chargers Special Teams abgeschlossen wurde. Henry Anderson kam quasi ungeblockt durch und hätte den Punter sogar fast mit dem Ball in der Hand tacklen können.
Quinnen Williams sammelte den Ball auf und man hatt einen komfortablen Startpunkt an der Chargers 29. Dann wurde in vier Plays viermal gelaufen und endlich kam man auf die Idee, den Ball über die Seite von Left Tackle Mekhi Becton zu spielen, was zu einem TD durch La’Mical Perine führte. Der TD gehörte jedoch mehr Becton als den Runningbacks selbst – so stark und dominant war sein Runblocking in diesem kurzen Drive. 6-0

Als die Chargers an den Ball kamen warf Justin Herbert den Ball durch die Jets Defense wie ein heißes Messer durch Butter gleitet und an der 1-Yard-Line ging Keenan Allen nach einem seiner zahlreichen Receptions zu Boden. Marcus Maye konnte Allen den Ball noch vor abschließendem Kontakt mit dem Boden den Ball aus der Hand schlagen und Ashtyn Davis sammelte den Ball auf. Turnover Nr. 2. Das Momentum war früh auf der Seite der Jets. Und ein Play später stand es 7-6 für LA…
Einer der grausigsten Interceptions der Neuzeit warf Joe Flacco in dem Moment, als er nach rechts schaute und den Ball zu seinem First Read Jamison Crowder lobte. Warum auch immer er diesen Pass warf – CB Tevaughn Campbell sagte danke und trug den Ball in die Endzone.

Der Rest der ersten Halbzeit ist schnell erzählt: 

Punt Jets, TD Chargers 6-14

 

Punt Jets, TD Chargers 6-21

Punt Jets, Punt Chargers, Punt Jets, FG Chargers 6-24

Es war frustrierend. Die Jets hatten offensiv nichts anzubieten, Chris Herndon ließ mal wieder einen Ball fangen, den sogar Couchpotatoes fangen würden und die Jets Cornerbacks (Bryce Hall ausgenommen) konnten den Chargers nichts entgegensetzen, während zu wenig Druck von den nicht vorhandenen Edgerushern der Jets kam.

Und dann kam die Garbagetime (so muss man es bei einem Rückstand von 18 Punkten wohl leider trotz einer ganzen Halbzeit nennen) und es war mal umgedreht zu der sonstigen Situation, als die Jets in der zweiten Halbzeit endgültig untergingen. Diesmal war man in der zweiten Halbzeit sogar phasenweise NFL-tauglich. Und dies lag in erster Linie an 2nd Round Rookie WR Denzel Mims und Breshad Perriman.

Im ersten Drive wurde der Ball endlich durch die Luft bewegt und an der 49 der Chargers wurde die lange Bombe ausgepackt. Die Pass Protection saß auf den Punkt und Breshad Perriman konnte sich auf einer Go Route im 1vs1 durchsetzen. Der Pass flog genau in die Arme und Perriman hatte bei diesem contested catch die Nase vorn. Sam Ficken konnte hier auch einen der nur 2/4 Extrapunkten verwandeln (Hallo, Sergio Castillo! Räume doch schon einmal deine Sachen zusammen. Du musst bald in den aktiven Lockerroom umziehen). 13-24

Der Momentum Changer war es zwar nicht, denn die Defense der Jets konnte mit den Pass Catchern der Chargers einfach nicht mithalten, aber es war wenigstens ein gutes Gefühl für die geschundene Jets Fan Seele. Keenan Allen war es im folgenden Drive auch, der einen weiteren von seinen insgesamt 16 Pässen in der Endzone fing. 13-31

Die Jets reagierten mit einem äußerst ansehnlichen Drive und insbesondere Denzel Mims konnte beeindrucken. Das Spiel war zu dem Zeitpunkt streng genommen schon längst verloren und so hatte man auch nichts mehr zu verlieren. Also wurden die WR eingebunden (das haben dir vorher schon so manche gesagt, dass man das mal tun sollte, Herr Gase…) und es lief. Ein 27 Yard Pass auf Denzel Mims wurde von diesem in enger Coverage an der Seitenlinie äußerst ansehnlich gefangen und drei Plays später war es wieder Mims, der nur durch eine Pass Interference (19 Yards) von einem Big Play abgehalten werden konnte.
Anschließend war man an der Chargers 10 und konnte den Ball mit ein paar Laufversuchen am Ende durch Frank Gore über die Goalline prügeln. Sam Ficken versagte erneut. 19-31

 

Die Chargers nahmen anschließend mit 16 Plays massiv Zeit von der Uhr und beendeten ihren Drive wiederum mit einem FG zum 19-34

Und es war wieder Denzel Mims, der im Folgedrive bei 4th & 5 einen 25 Yard Pass von Joe Flacco fangen konnte. Wieder 1vs1 in Man Coverage und zum richtigen Zeitpunkt den Körper zum Ball gedreht. Bockstark. Nur um drei Plays später schon wieder einen solchen Catch für 19 Yards zu fangen. Ein zusätzliches Roughing the Passer gegen Joey Bosa brachte die Jets in eine aussichtsreiche Scoring Position und es war ENDLICH Chris Herndon, der den Ball an höchster Position in der Endzone fangen konnte und sich so vielleicht mal das Selbstbewusstsein holen könnte, um vielleicht doch noch eine Rolle in der Zukunft der Jets zu spielen.
Sam Ficken konnte den Extrapunkt endlich mal verwandeln und so stand es 26-34.

Ex waren noch vier Minuten auf der Uhr und man kam vollkommen unerwartet nochmal in die Situation, mit nur einem TD (plus 2 Point Conversion) in Schlagdistanz zu sein.

Die Chargers haben selber Probleme im Coaching und gaben den Ball unnötig nach einem 3 & out wieder ab, aber die Jets wären nicht 0-9, wenn sie nicht Adam Gase und Dowell Loggains hätten. Sie hatten keine Ideen für einen Game Winning Drive und so wurde einfach alles auf Go Routes geworfen. Das war so unkreativ, dass kaum jemand drauf reinfällt und es so kam, wie es kommen musste: Turnover on Downs nach drei Incompletions. 

Danach war es nur noch Ergebniskosmetik, als die Chargers mit sieben Sekunden auf der Uhr punten mussten und clever genug waren, den Punter sechs Sekunden rumkrebsen zu lassen und anschließend in der Endzone den Safety hinnehmen zu lassen statt einen weiteren Punt Block zu riskieren (sie mussten schon drei in den letzten drei Spielen hinnehmen).

Endstand 28-34

-Fazit-

Das Ergebnis täuscht ein wenig über die Situation, dass man eigentlich keine ernsthafte Chance gegen ein 2-7 Team mit einem Rookie QB hatte.

Die Jets stehen nun bei 0-10 und sind auf dem Weg zum schlechtesten Team der NFL Geschichte. Nur zwei Team haben ein 0-16 gezaubert (2017 Cleveland Browns und 2008 Detroit Lions) und die Jets haben eine deutlich schlechtere Statistik in Punktedifferenz und erzielten Punkten als diese beiden, historisch schlechten Truppen. 

ABER: Man kann den letzten beiden Partien tatsächlich Positives abgewinnen. Die Rookieclass sieht gut aus. Mekhi Becton hatte erneut ein sehr starkes Spiel und konnte mit 77,6 den besten Wert bei PFF aller Spieler der Offense abgreifen. Denzel Mims ist sehr präsent und war stark in contested catches und seine Physis beweist jetzt über mehrere Spiele, dass er ein legitimer WR1 sein und mit einem guten Coach sogar zum Star reifen könnte.
La’Mical Perine hatte 4,1 Yards im Schnitt und einen erneuten TD (seine Leistung ist jedoch eher Mittelmaß und seine Touches müssten zukunftsorientiert höher als die von Frank Gore liegen).
Auch Gerge Fant ist Grundsolide und könnte über das Jahr hinaus ein guter Starter bleiben.

Auf der defensiven Seite war CB Bryce Hall stark in der Coverage (PFF 65,5) und im Tackling (PFF 80,2) und Safety Ashtyn Davis (PFF 61,7, 10 Tackles, 2 QB Hurries, 1 Fumble Recovery) überall auf dem Feld zu finden

Der Beste war erneut Marcus Maye (PFF 88,4), der so gut in der Coverage ist, dass er nur einmal das Target war und dieser Pass nicht ankam. Dazu der oben erwähnte Forced Fumble.

Henry Anderson war stark (PFF 84.8), aber auf die Zukunft bezogen war es toll, mal wieder Quinnen Williams zu erleben, der mit einem Sack und drei QB Hits konstant unter Beweis stellt, dass er ein dominanter Lineman ist.

Die Jets haben Building Blocks. Und am Ende ist so eine Niederlage vielleicht Gold wert gemessen an der Draft Position.
The future is bright!

Basti