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Denver Broncos

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New York Jets

Ein mehr oder weniger berühmtes Zitat von der Büro-Koryphäe Bernd Stromberg. Mit einer ähnlichen, zweckoptimistischen Einstellung könnte unser Offense-Guru und Quarterbackflüsterer Adam Gase in das Thursday Night Game gestern Abend gegangen sein. Bereits vor der Partie wurde viel darüber spekuliert, dass es bei einer Niederlage das letzte Spiel des Head Coach Adam Gase für die Jets gewesen sein könnte. Also quasi der Sargdeckel. Gase selbst hat sicherlich auf einen Sieg gegen ein dezimiertes Broncos Team gehofft, um das Spiel als Sprungbrett zu nutzen und seinen Job vorerst sichern zu können.

Und zu Beginn des Spiels schien sich diese Hoffnung auch tatsächlich zu bestätigen. Nach zwei mühsamen, aber erfolgreichen, First Downs gelang Sam Darnold ein unglaubliches Highlight-Play bei 3rd & 7. Sam fand keine offene Anspielstation, konnte sich jedoch irgendwie aus der zusammenbrechenden Pocket befreien und machte sich mit dem Football zu Fuß auf den Weg Richtung Endzone. Auf seinem Weg entkam er einem Sackversuch von Alexander Johnson, wich Justin Simmons ́ Tackle aus und entschied sich, nicht zu sliden, womit er Kareem Jackson überraschte, und so den Weg für 46 Yards in die Endzone der Broncos fand. Dies war nicht nur der längste Quarterback-Rush-Touchdown der Saison, es war und ist auch der längste der Franchise-Geschichte.

Im Folgenden konnte die Jets D die Broncos Offense über 10 Plays bei einem 40 Yard Field-Goal halten. Es sah im ersten Viertel somit recht gut aus für unsere Jets. Dies änderte sich jedoch kurz vor Ende des ersten Viertels, als Sam einen harten Sack von Johnson einstecken musste und schmerzhaft auf der Schulter landete. Da unter anderem ein Schlüsselbeinbruch als mögliche Verletzung im Raum stand, verließ Darnold das Feld und begab sich zur weiteren Untersuchung in die Kabine. Flacco übernahm für die letzten Sekunden des ersten Viertels.

Das zweite Viertel startete mit den Broncos in der Offense und diese kamen schnell das Feld runter. Auch begünstigt durch ein unnötiges Penalty – Penalties sollten generell Thema des Spiels bleiben. Bei 3rd & 3 an der 37 Yard Linie der Broncos setzte es gleich zwei Flaggen. Ein Mal für Holding, ein Mal für Roughing the Passer. 15 Yards Strafe, First Down. Dieses wussten die Broncos, unter gütiger Mithilfe von CB Desir, zu nutzen. Rypien, seines Zeichens 3rd-String Quarterback der Broncos und undrafted 2019, warf einen Pass, der eigentlich in einer Interception hätte enden MÜSSEN, wenigstens jedoch in einem Pass-Breakup. Desir jedoch ließ sich den Ball durch die Finger gleiten und Jeudy bedankte sich für den einfachen Touchdown.

Nach einem schnellen 3 and out und einer akrobatischen Interception an der Seitenlinie durch Desir – was überspitzt formuliert eins von zwei guten Plays durch eben jenen war – konnte unsere Offense den Ball, begünstigt durch ein Personal Foul beim Field Goal Versuch, bis an die 8-Yard Linie der Broncos bewegen. Hier entschied man sich bei 4th & 4 zum ausgleichenden Field Goal. Im Anschluss nahmen die Broncos knapp 5 Minuten von der Uhr und erzielten einen 1-Yard Rush TD durch Melvin Gordon, welcher wieder durch ein Personal Foul, diesmal durch McDougald begünstigt wurde. Vor der Halbzeit konnte noch durch ein Field Goal auf 17:13 verkürzt und das Spiel relativ offengehalten werden. Zur Halbzeit hatte Sam nicht nur die meisten Rush Yards aller Spieler auf seinem Konto, er hatte auch bereits mehr Rush Yards als in der gesamten letzten Saison gesammelt.

Halbzeit zwei startete wie die erste Halbzeit, hoffnungsvoll für die Jets. Ein schnelles 3 & Out der Broncoskonnte zumindest in ein Field Goal umgemünzt, und so auf 17:16 verkürzt werden. Die Antwort durch Rypien und den Broncos ließ jedoch nicht lange auf sich warten. Erster führte die Broncos erst zu einem TD durch Tim Patrick, um nach einem knapp 4 Minuten Drive der Jets für 18 Yard und einenPunt die Broncos in Field Goal Distanz zu bringen und somit auf 27:16 zu stellen. Hier schien das Spiel, besonders in Anbetracht der letzten Wochen, entschieden zu sein. Doch Sam Ficken hatte etwas dagegen. Sein 54 Yard Field Goal zum 27:19 ließ etwas Hoffnung aufkeimen, und spätestens als Desir ein Missverständnis zwischen Rypien und seinen WR zum Pick Six nutzte, schien das Momentum auf Seiten der Jets zu sein. Es kam sogar noch besser. Im Drive nach dem Pick Six konnte Poole Rypien zum dritten Mal intercepten und die Jets Offense startete an der 44 Yard Linie der Broncos. Das Spiel schien nun endgültig gekippt zu sein. Adam Gase hatte jedoch allen Anschein nach nicht das Gefühl, dass das Momentum auf Seiten der eigenen Mannschaft ist. Bei 4th & Inches an der19 Yard Linie entschied sich Gase dagegen, den Versuch auszuspielen, und schoss das Field Goal zum 28:27 für die Jets. Hierzu kann man stehen wie man will, meiner Meinung nach war dies eine unverständliche Fehlentscheidung und ein falsches Zeichen ans gesamte Team, welches grade dabei gewesen ist Oberwasser zu gewinnen. So oder so, die Entscheidung sollte sich rächen. Die Jets erreichten keine Punkte mehr, die Broncos gelangen erst, wieder mal unterstützt durch ein unnötiges Foul, zur Führung durch ein Field Goal, um dann das Spiel durch einen 43 Yard Rush TD von Melvin Gordon zu entscheiden, nachdem Darnold bei 4th & 3 an der eigenen 43 Yard Linie gesackt wurde.

Zum Abschluss wurde es noch etwas unrühmlich, als die Jets trotz entschiedenem Spiel noch einige harte Aktionen und Fouls begangen, was dazu führte, dass Fangio, Head Coach der Broncos, auf das obligatorische Abklatschen nach dem Spiel mit dem Gegner verzichtete und sich direkt in die Kabinenbegab. Zwar scheint Gase trotz der nächsten Niederlage nicht entlassen zu werden, das Spiel scheint allerdings nur ein weiterer Sargnagel für den Sargdeckel der Head Coach Zeit Gases bei den Jets gewesen zu sein. Dass er überhaupt seinen Job behalten könnte ist nach diesem Spiel gelinde gesagt eine Frechheit.

Nach dieser Niederlage einen Gameball zu verteilen scheint wieder schwer. Am prädestiniertesten hierfür erscheint jedoch Sam Ficken, der in dieser Saison alle seine Field Goals verwandeln konnte, und auch gegen die Broncos 5/5 versenkte und dabei aus 53 Yards traf. Ebenfalls erwähnenswert ist die Comebackleistung von Crowder, der 7 Bälle für 104 Yards fangen konnte. Mekhi Becton und Sam Darnold bissen beide auf die Zähne und spielten gut bis solide durch ihre Verletzungen. Hoffen wir, dass diese nicht zu schlimm sind.

Für den Spencer Long Award bieten sich wieder einige Namen an. Da wäre zum einen Pierre Desir, welcher trotz zwei Interceptions – einer zum Pick Six – einen schwarzen Tag erwischte und in Coverage einfach überfordert war. Zwei Touchdowns gelangen in seiner Coverage, und generell wurde er des Öfteren „getoastet“. Ebenfalls ganz schwach war TE Chris Herndon, an dem das Spiel ganz vorbeilief und der lediglich durch einen miserablen Drop auffiel. Aber auch auf Coaching Seite müssen wieder Namen fallen. Dieses Mal wieder der von Adam Gase, allerding muss auch DC Gregg Williams erwähnt werden. Ersterer fiel wieder durch durchsichtiges Playcalling auf, viele Inside Runs, keine Motion vorm Snap und der mehr als fragwürdigen Entscheidung bei 4th & Inches auf das Field Goal zu gehen. Williams Defense hingegen konnte statistisch mit drei Turnovern positiv von sich reden machen, jedoch wirft hier die Einstellung große Fragezeichen auf. Nach vier Spielen haben die Jets bereits sieben Roughing the Passer Strafen auf ihrer Seite, mit Abstand die meisten der Liga – Platz zwei liegt bei drei Strafen. Allein im Spiel hagelte es wieder sechs Personal Fouls auf Seiten der Defense. Dazu das unnötige harte Spielen am Ende der Partie, als die Entscheidung schon gefallen war. Vor allem in Anbetracht des Bounty-Gate-Skandals hat das Verhalten der Defense unter Gregg Williams zurzeit mindestens einen faden Beigeschmack.

Wie bereits erwähnt scheint der letzte Sargnagel noch nicht geschlagen zu sein. So traurig es klingt, hoffen wir, dass sich das bald ändert, sollte kein Wunder geschehen, und Gase und das gesamte Team widererwartend einen kompletten Turnaround schaffen.

Felix